Das Wichtigste auf einen Blick
- Sex kann die Scheidenflora vorübergehend beeinflussen:
Geschlechtsverkehr werden Bakterien ausgetauscht, zudem kann Sperma den natürlichen pH-Wert der Scheide verändern.
- Ein saures Scheidenmilieu schützt:
Milchsäurebakterien sorgen dafür, dass der pH-Wert der Scheidenflora im sauren Bereich bleibt und helfen so dabei, unerwünschte Keime in Schach zu halten.
- Wenn es nach dem Sex zu Beschwerden kommt:
Brennen, Juckreiz, unangenehmer Geruch oder häufiger Harndrang können Hinweise darauf sein, dass Scheidenflora oder Harnwege belastet sind.
- Vorbeugung beginnt im Alltag:
Sanfte Intimpflege (lauwarmes Wasser ist ausreichend), Wasserlassen nach dem Sex und eine stabile Darmflora können das intime Gleichgewicht unterstützen.
Jede Frau hat in ihrer Vagina ein eigenes, selbstständiges Mikrobiom. Dieses besteht hauptsächlich aus Laktobazillen, oder auch Milchsäurebakterien genannt. Der in den Scheidenzellen vorkommende Zucker, wird von den diesen Laktobazillen in Milchsäure umgewandelt, wodurch das saure Milieu in der Scheide bestehen bleibt.
Warum kann sich die Scheidenflora durch Sex verändern?
- Sperma hat einen anderen pH-Wert als die Scheidenflora
- Bakterien werden ausgetauscht – auch krankmachende Keime können dabei übertragen werden
- Reibung und mechanische Belastung
- Kondome, Gleitmittel oder Intimprodukte können zusätzlich Einfluss nehmen
Im Normalfall wird das schützende saure Milieu nach dem Geschlechtsverkehr jedoch wieder schnell genug hergestellt, sodass der Schutz weiterhin bestehen bleibt.
Scheidenflora und Darm stehen in engem Austausch: die Darm-Vaginal-Achse
Was viele Frauen nicht wissen: Die Scheidenflora ist kein isoliertes System. Zwischen Darm und Vaginalbereich besteht ein natürlicher Austausch von Mikroorganismen. Über eine sogenannte „Schleimstraße“ können Milchsäurebakterien vom Darm in die Scheide einwandern. Deshalb kann auch das Darm-Mikrobiom eine wichtige Rolle für das Gleichgewicht im Intimbereich spielen.
Blasenentzündung oder Scheidenpilz durch Sex?
Beim Geschlechtsverkehr können auch krankmachende Keime übertragen werden, die verschiedene Infektionen im Körper auslösen können. Auch bestimmte Körperflüssigkeiten, wie beispielsweise Sperma, die beim Geschlechtsverkehr ausgetauscht werden, können den pH-Wert der Scheide verändern, da sie basisch sind. Der Scheiden-pH-Wert steigt somit an und ist nicht mehr sauer. Ist das Milieu verändert, ist auch das Gleichgewicht des Mikrobioms gestört. Das ist meistens der Auslöser für bakterielle Scheideninfektionen bei Frauen. Im Normalfall kann die Scheidenflora jedoch das schützende saure Milieu nach dem Sex schnell genug wiederherstellen, sodass ein dauerhafter Schutz bestehen bleibt.
Was ist eine Honeymoon-Zystitis?
Der Zusammenhang von Blasenentzündungen und Sex ist vielen Frauen schmerzhaft bekannt. Die sogenannte Honeymoon-Zystitis ist eine Blasenentzündung, die durch den Geschlechtsverkehr ausgelöst wird. Früher hatten viele Frauen ihr erstes Mal in der Hochzeitsnacht und litten danach an den typischen Symptomen, wie häufigem Harndrang und Brennen beim Wasserlassen.
Heutzutage erkranken immer noch sehr viele Frauen an einer Honeymoon-Zystitis. Durch häufigeren Sex, wie man ihn z. B. in den namensgebenden Flitterwochen erlebt, wird der Intimbereich beim Geschlechtsverkehr vermehrt beansprucht und bei Frauen steigt das Risiko für Harnwegsinfekte oder andere Erkrankungen des Urogenitalrakts. Die Ursache für so eine Erkrankung sind meist die körpereigenen Darmbakterien, speziell die sogenannten Escherichia coli-Bakterien.
Denn beim Geschlechtsverkehr können durch eine Schmierinfektion Bakterien aus dem Analbereich der Frau in ihre Harnröhre transportiert werden. Anschließend steigen diese in die Blase auf und reizen die Blasenwand, was eine Entzündung auslöst. Allgemein erhöht ein neuer Sexualpartner immer das Risiko für eine Zystitis. Die Bakterien der Frau kennen die neuen Mikroorganismen des Partners noch nicht und das Immunsystem reagiert erst nach einiger Zeit auf diese neuen Mikroben.
Wie kann ich einer Zystitis vorbeugen?
Es gibt verschiedene Wege, um einer Zystitis vorzubeugen. Es hilft bereits, wenn die Frau unmittelbar nach dem Sex auf die Toilette geht, denn so werden die Bakterien zuverlässig ausgespült. Eine weitere Maßnahme zur Vorbeugung ist, dass der Unterleib immer schön warmgehalten wird. Ein kühler Unterleib hemmt die Immunabwehr und schwächt die eigenen Bakterien.
Ebenso ist eine richtige Intimpflege sehr wichtig. Hierbei gilt, dass auf Intimpflege, die den pH-Wert verändert, verzichtet wird. Es reicht vollkommen aus, wenn man einmal täglich mit warmem Wasser den Intimbereich reinigt. Ein Wechsel zwischen Anal- und Vaginalverkehr ist auch nicht ratsam, da so die Bakterien vom After in die Scheide gelangen.
Die Zufuhr von Probiotika kann eine unterstützende Wirkung auf die Scheidenflora haben, denn es gibt bereits ausgewählte Bakterienstämme, die einen positiven Einfluss auf die Vagina haben. Diese Stämme sind vorwiegend Laktobazillen, die die Milchsäureproduktion in der Scheide begünstigen. Die Milchsäure sorgt dafür, dass das saure Milieu erhalten bleibt und somit ein Schutz in der Vagina besteht. Es gibt auch sogenannte Scheidenzäpfchen, die Milchsäure oder Milchsäurebakterien enthalten, aber die vaginale Einnahme empfinden viele Frauen als unangenehm und schränken beim Geschlechtsverkehr ein. Außerdem verursacht das Zäpfchen einen stärkeren Ausfluss, weshalb in dieser Zeit eine Slipeinlage getragen werden sollte. Die orale Einnahme von Probiotika ist hingegen viel einfacher, komfortabler und auch hygienischer.
Wie wird eine Zystitis behandelt?
Die Therapie erfolgt in der Regel bei einer unkomplizierten Blasenentzündung mittels Antibiotika. Durch das Antibiotikum erfolgt ein schnelles Abklingen der Symptome und die Erreger verschwinden vollständig aus dem Körper. Der blinde Kämpfer zerstört nicht nur die Erreger, die der Grund für die Blasenentzündung sind, sondern auch andere, gute und für den Körper wichtige Bakterien.
Oft wird zum Antibiotikum auch ein Schmerzmittel und ein krampflösendes Medikament verschrieben, was sich ebenfalls negativ auf das Mikrobiom auswirken kann. Es empfiehlt sich in der Zeit der Einnahme von Antibiotika die Darm- und Scheidenflora mit Probiotika zu unterstützen, um die wichtigen, gesundheitsfördernden Bakterienstämme wieder hinzuzufügen.
Was ist die Ursache für wiederkehrende Blasenentzündungen?
Wenn die Blasenentzündung endlich wieder verschwunden ist, folgt oft schnell die Nächste. Rund jede vierte Frau leidet unter wiederkehrenden Blasenentzündungen. Forscher fanden den Grund dafür heraus: Versuche mit Mäusen zeigten, dass zwei Bakterienarten für diese wiederkehrenden Entzündungen verantwortlich sind – nämlich Escherichia coli und Gardnerella vaginalis.
Erstere gelangen ausgehend vom Darm über die Scheide in den Harntrakt und nisten sich in der Blasenwand ein. Dort sind sie so gut versteckt, sodass sie nicht mal durch Antibiotika angreifbar sind oder vom eigenem Immunsystem entdeckt werden.
Kommt dann der Keim Gardnerella vaginalis hinzu, werden die E. coli-Bakterien wieder aktiviert und treiben ihr Unwesen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist zudem, dass es Bakterien gibt, die Infektionen auslösen, aber zum Zeitpunkt des Krankheitsausbruches nicht mehr im Körper vorhanden sind.
Häufige Fragen zu Scheidenflora & Sex
Ist es normal, wenn sich die Scheide nach dem Sex anders anfühlt?
Ja, nach dem Geschlechtsverkehr kann sich der Intimbereich vorübergehend anders anfühlen. Beim Sex werden Bakterien ausgetauscht und Körperflüssigkeiten wie Sperma können den natürlichen pH-Wert der Scheide beeinflussen. Im Normalfall kann eine gesunde Scheidenflora das schützende saure Milieu rasch wiederherstellen.
Kann Sex den pH-Wert der Scheide verändern?
Ja. Eine gesunde Scheide hat normalerweise ein saures Milieu, das vor allem durch Milchsäurebakterien unterstützt wird. Da Sperma basisch ist, kann der pH-Wert nach dem Sex kurzfristig ansteigen.
Ob das Scheidenmilieu dadurch aus dem Gleichgewicht gerät, ist individuell unterschiedlich.
Befindet sich die Scheidenflora im Gleichgewicht, kann sie sich meist rasch selbst regulieren. Ist das Vaginalmikrobiom jedoch bereits geschwächt – etwa durch Antibiotika, hormonelle Veränderungen, Stress oder übertriebene Intimhygiene – kann die Regeneration länger dauern.
Kann die Darmflora die Scheidenflora beeinflussen?
Ja, Darm- und Scheidenflora hängen eng miteinander zusammen. Eine intakte Darmflora kann auch für das Gleichgewicht im Intimbereich wichtig sein. Der Darm dient außerdem als Reservoir für Bakterien, die an der natürlichen Besiedelung der Scheide beteiligt sind.
Was kann ich nach dem Sex tun, um meine Scheidenflora zu unterstützen?
Nach dem Sex kann es sinnvoll sein, zeitnah auf die Toilette zu gehen, um potenzielle Keime auszuspülen. Außerdem sollten aggressive Intimpflegeprodukte vermieden werden, da sie den pH-Wert zusätzlich beeinflussen können. Bei Neigung zu Scheideninfektionen kann geschützter Geschlechtsverkehr mit Kondom sinnvoll sein. Auch Probiotika mit ausgewählten Bakterienstämmen können dabei helfen, die Darm- und Scheidenflora zu unterstützen.